DE | EN
"Klobalisierte Welt" Flashmob am Potsdamer Platz zum World Toilet Day 2015

 

Anlässlich des Welttoilettentages (WTT) 2015 hat die German Toilet Organization im Rahmen ihres Projektes "Klobalisierte Welt" am 18. November einen Flashmob am Potsdamer Platz veranstaltet. Das Motto des WTT ist dieses Jahr: "Bessere Sanitärversorgung für bessere Ernährung". Zentrales Thema ist hierbei die Aufklärung über die versteckten Verbindungen von WASH (Wasser, Sanitärversorung und Hygiene) und Nutrition (Ernährung). Ein wichtiger Indikator hierfür ist, dass 50% aller Unterernährungsfälle in direktem Zusammenhang mit wiederkehrenden Durchfall und Wurmerkrankungen stehen, ausgelöst durch mangelhafte Sanitärversorgung wodurch essentielle Nährstoffe vom Körper nicht ausreichend aufgenommen werden können.

Die Darstellung dieser Thematik haben die SchülerInnen der Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli kreativ gelöst. Ein gedeckter Tisch ruht auf Basis einer verbesserten Sanitärversorgung und kann erst so Ernährung sichern.

 

In über 60 Presseartikeln in ganz Deutschland, von der Süddeutschen Zeitung in München bis zum Hamburger Abendblatt, wurde mit Videos und Text über unsere Aktion berichtet.

 

Ihr Anliegen brachten die SchülerInnen im Anschluss auch noch im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zum Ausdruck. Dort überreichten Schülerinnen und Schüler dem Leiter des BMZ-Leitungsstabes eine Postkarte mit wichtigen Informationen. Herr Schwenzfeier versicherte den Jugendlichen, dass er die Karte dem Bundesminister Dr. Müller weiterleiten würde.

 

Die Aktion wurde gefördert von Engagement Global im Auftrag des BMZ und von der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit Berlin, mit freundlicher Unterstützung von CWS-boco.


Hier klicken für Bilder auf der Facebook-Seite


Presseeinladung

 

 

Klobalisierte Welt: Demonstration zum Weltflüchtlingstag 2015

Anlässlich des internationalen Weltflüchtlingstages 2015 demonstrierten ca. 150 Berliner Schülerinnen und Schüler gegen die menschenunwürdige Sanitärsituation in Kriegen und Krisen.

 

Trotz des schrecklichen Hintergrundes haben die Berliner Jugendlichen die Öffentlichkeit auf eine positive Weise wachgerüttelt. Mit dem Aufruf "Leben retten - mit Toiletten!" zogen sie vom Potsdamer Platz zum Reichstag. Eine Schule kürte mit "Toilet-Man" und "Toilet-Woman" zwei Superhelden. Sie führten im Kostüm aus Klopapier, Umhang und Klobürste den Demonstrationszug an.

 

In der vorangegangenen Pressekonferenz, bei welcher auch die Berliner Abendschau zugegen war, berichteten die SchülerInnen aus Pankow, Neukölln und Spandau über die derzeitige Hygiene- und Sanitärsituation in Flüchtlingslagern und wie sie sich auf diesen Aktionstag vorbereitet hatten.

 

Zum krönenden Abschluss lobte der Bundestagsabgeordneter Frank Heinrich persönlich das Engagement der SchülerInnen und betonte noch einmal die Relevanz des Themas.  

 

Mehr Fotos gibt es auf der Facebookseite von Klobalisierte Welt

Pressemitteilung

Notdurft in Notsituationen
Ideensammlung zu Gründen, warum ich  meine Heimat verlassen müsste

Dieses Jahr liegt der Schwerpunkt unserer Arbeit auf sanitärer Versorgung in akuten Notsituationen: Wie gehe ich auf Toilette, wenn ich in einem Flüchtlingscamp lebe? Welche Probleme treten da auf? Wie kann die Wasser- und Sanitärversorgung möglichst schnell nach einer Katastrophe wiederhergestellt werden?

 

 

Warum sind Wassersysteme im Katastrophenfall so wichtig?
Präsentation zu Hintergründen, warum wir Abwasser behandeln.

In einem Notfall, bspw. nach einem Taifun oder einem Erdbeben wie gerade in Nepal, bricht die Versorgung mit Trinkwasser und die Entsorgung von Abwasser zunächst zusammen. Häuser stürzen ein, Badezimmer werden damit zerstört (wenn es sie denn vorher gab), Leitungen funktionieren nicht mehr, ganze Gebiete sind oft unzugänglich. Dann gilt es in erster Linie Leben zu retten und die Menschen an sichere Orte zu bringen. Doch bis Hilfe geleistet werden kann, vergehen Stunden, Tage bis Wochen. In dieser Zeit aber bleiben die Bedürfnisse wie der Toilettengang. Duschen und Händewaschen ist in so einer Extremsituation schwer möglich, sauberes Trinkwasser und Toiletten stehen zunächst nicht zur Verfügung. So lässt sich schwer eine gute Hygiene pflegen und Bakterien, die Cholera, Typhus und andere Krankheiten auslösen können, gelangen vom infizierten Menschen ins Wasser, ohne das dieses gefiltert werden kann. Es bleibt verunreinigt und wird wieder als Wasch- oder Trinkwasser verwendet, sodass gesunde Menschen mit den Bakterien in Berührung kommen und ebenfalls erkranken. So entsteht ein nicht kontrollierbarer Kreislauf mit lebensbedrohlichen Auswirkungen.

 

 

Wie finden Krankheitserreger ihren Weg?
Übung mit Glow Powder und UV-Lampe

An ein alltägliches Leben ist noch nicht zu denken. Die medizinische Versorgung wird nur langsam wieder hergestellt. Neben Infektionskrankheiten haben die Sanitätskräfte alle Hände voll zu tun, Verletzungen zu versorgen und das in der Regel mit unzureichender Ausrüstung. Neben der sanitären stellt auch die medizinische Versorgung für Menschen auf der Flucht oder in überfüllten Camps eine große Herausforderung dar.

 

Oft sind wir uns der Übertragung der unsichtbaren Gefahren wenig bewusst, da die Folgen in einem Umfeld mit ausreichender Hygiene weniger weitreichend sind. Doch um zu verdeutlichen, wie leicht und vor allem weit sich Krankheitserreger verbreiten, führen wir mit den SchülerInnen die Übung "Da siehst du was, was du nicht siehst" durch: Die Hände werden mit einem speziellen, im UV-Licht erkennbaren Puder bestreut. Die SchülerInnen geben jeweils dem Nachbarn die Hand, es wird eine Kettenreaktion simuliert. Am Ende betrachten wir mit der UV-Lampe, wie weit das Puder reicht und vor allem, wo es hingelangt ist, ohne dass wir es wahrgenommen haben.

 

 

Tabu im Tabu

Ein Punkt, über den selten und unzureichend gesprochen wird, ist die besondere Gefahr für Frauen und Mädchen in dieser Extremsituation: Je weiter die sanitären Anlagen und Waschmöglichkeiten von der Unterkunft entfernt sind, desto höher ist die Gefahr von Gewaltübergriffen. Gerade in Flüchtlingslagern ist die Entfernung zu den Toilettenanlagen oft sehr groß und nachts sind die Wege nicht immer ausgeleuchtet. Getrennte Toiletten für Frauen und Männer gibt es häufig nicht von Beginn an.

 

 

Viele Wege, ein Ziel
Zollstockübung

Da die Situation in Not- und Flüchtlingscamps eine ungeplante ist, sind auch die Lösungen für diese Probleme nicht lange planbar. Sie müssen schnell umgesetzt werden können und sind dadurch oft temporär, bis die Menschen aus der Notsituation befreit werden können. Auch kann nicht immer technisches Know-How vor Ort garantiert werden. Im Extremfall treffen zahlreiche HelferInnen mit unterschiedlichsten Kenntnissen aufeinander. So merken die SchülerInnen schnell: Es müssen viele Faktoren berücksichtigt werden, wie der Zeitdruck, die finanziellen Mittel und die passende Ausgestaltung einer Lösung für das Krisengebiet. Keine leichte Sache. Und auch wenn alle Beteiligten dasselbe Ziel haben, ist der Weg zur Lösung noch lange nicht einfach. Wie schwierig das werden kann, erfahren die SchülerInnen mit uns sogar selbst, indem sie die scheinbar einfache Aufgabe lösen müssen, gemeinsam einen Zollstock auf den Boden zu legen - ohne miteinander sprechen zu dürfen.

 

Wichtig bei der humanitären Hilfe ist vor allem, keinesfalls die Wahrung der Menschenwürde aus den Augen zu verlieren - auch bei der Einrichtung einer adäquaten Sanitär- und Trinkwasserversorgung. Denn Wasser- und Sanitärversorgung ist ein Menschenrecht. Offiziell anerkannt aber erst seit 2010.

Kein Land ist völlig arm und völlig reich. Hohe Lebensstandards gibt es überall. Wir möchten nur zeigen, wo die Schere zwischen Arm und Reich besonders weit auseinandergeht.

Mit den SchülerInnen sammeln wir Länder, in denen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) notwendig sein könnte, Organisationen, die EZ leisten und Themen, die für die EZ wichtig sind.

An einem speziellen Projekttag, vor dem alle Beteiligten bereits an "Klobalisierte Welt" teilgenommen hatten, haben wir mit den SchülerInnen u.a. Gründe gesammelt, warum sie ihre Heimat verlassen würden.

Wenn wir täglich Toilette und Wasserhahn benutzen, fragen wir uns selten, was genau mit unserem Wasser passiert. Manche Schulen sprechen jedoch schon mit ihren SchülerInnen und erklären, wie Kläranlage und Trinkwasserwerk funktionieren.

Weil Krankheitserreger für uns unsichtbar sind, sind wir uns der Wichtigkeit vom Händewaschen oft gar nicht bewusst.

Wenigen ist klar, dass die Folgeerkrankungen von mangelnder Sanitärversorgung sich auch auf andere Bereiche wie Ernährung auswirken.

Was es heißt, wenn alle dasselbe Ziel haben, aber nicht dieselbe Sprache sprechen, zeigen wir mit der Zollstockübung.Regel Nummer 1: Alle Finger bleiben am Zollstock

Regel Nummer 2: Es wird nicht gesprochen. Ziel ist es, den Zollstock gemeinsam auf den Boden zu legen.

Bei der ersten Runde treten besonders viele Probleme auf, weil die SchülerInnen sich nicht abstimmen können, wann wer den Zollstock absenkt.

Was es heißt, nicht richtig auf Toilette zu gehen, kennen viele SchülerInnen selbst. Wir befragen sie zur Qualität ihrer Schultoilette, wie wichtig sie ihnen ist und begehen die Toiletten auch gemeinsam.

Gehört werden hierbei alle SchülerInnen, LehrerInnen und (wenn anwesend) Hausmeister/in und Rektor/in. Interessant ist dabei, wie unterschiedlich die Meinungen ausfallen.

Gemeinsam sammeln wir, was die SchülerInnen gut finden und beibehalten wollen, aber auch, wie die Situation verbessert werden könnte.

Wir bitten die SchülerInnen, einen Fragebogen zu ihrer Wahrnehmung der Schultoilette auszufüllen.

Zum Schluss stellen wir noch unseren Aktionstag vor: Jede Klasse sammelt Ideen, wie sie die Aufmerksamkeit der Presse erlangen kann.

Die SchülerInnen stimmen ab und die beliebtesten Ideen sehen Sie dann auf unserer Demo am Welttoilettentag und am Weltflüchtlingstag. Wir sehen uns dann ;)!

Gefördert von ENGAGEMENT GLOBAL im Auftrag des

Auch CWS-boco möchten wir herzlich für die Unterstützung von Klobalisierte Welt danken.

 

Mit freundlicher Unterstützung des Landes Berlin