CLTS Südsudan

Warum

Seit 2018 unterstützt die German Toilet Organization e. V. (GTO) in Zusammenarbeit mit Malteser International (MINT) die Regierung des Südsudan bei der Entwicklung einer Nationalen Richtlinie für Community Led Total Sanitation (CLTS). Diese basiert auf einem umfangreichen partizipativen Prozess und zielt darauf ab, die Durchführung von CLTS im ganzen Land zu verbessern.

CLTS ist eine Sanitär- und Hygieneförderungsmethode, die dazu dient, eine ganze Gemeinschaft davon zu überzeugen offene Defäkation (OD) dauerhaft zu beenden, indem sozialer Druck durch Emotionen wie Stolz, Scham und Ekel ausgeübt wird. Die Methode führt oft zum Bau und zur Nutzung neuer Latrinen, manchmal auch zu einer verbesserten Nutzung bestehender Latrinen.

Im Februar 2012 erklärte die Regierung des Südsudan CLTS zu ihrem offiziellen Ansatz, um in ländlichen und stadtnahen Gebieten eine von offener Defäkation freie Umgebung (ODF) zu erreichen. Die neue Methodik wurde in vier Bundesstaaten erprobt. Zu diesem Zeitpunkt lag die ODF-Rate landesweit bei 77% (1). In einer kurzen Zeit des Friedens führten die Regierung und ihre Partner CLTS-Schulungen für staatliche Beamt*innen, NRO-Mitarbeiter*innen und Gemeindevertreter*innen in sieben Bundesstaaten durch. Insgesamt wurden 250 CLTS-Förderer*innen geschult und mehrere Staatsbeamt*innen in das CLTS-Konzept eingeführt. Unter anderem aufgrund dieser Bemühungen sank die Prävalenz von OD bis 2017 (2) auf 63%, stieg aber laut JMP-Bericht 2020 landesweit auf 87%. In der Zwischenzeit initiierten die Akteur*innen die Harmonisierung des CLTS-Ansatzes, jedoch ohne Erfolg. Die Unruhen, die 2013 und 2016 ausbrachen, unterbrachen den Fortschritt.

2019 fand der erste nationale CLTS-Austauschworkshop statt. Er wurde vom Ministerium für Wasserressourcen und Bewässerung (MWRI) ausgerichtet und belebte den Prozess neu mit Unterstützung von UNICEF, Malteser International und der GTO. Die beschlossene Strategie bestand darin, die Koordination zwischen den wichtigsten WASH-Akteur*innen zu stärken, wobei die Regierung die Führung übernahm. Aus der Strategie ist der aktuelle Leitfaden hervorgegangen. Der Prozess umfasste Erfahrungen, Ansichten und Wissen eines breiten Spektrums von Akteur*innen: Regierung, UN, INRO, NROs, Forschung, Wissenschaft und örtlichen Gemeinschaften. Akteur*innen des privaten Sektors sollten in Zukunft für die Bereitstellung von Lieferungen und Dienstleistungen einbezogen werden.

Im Jahr 2020 wurde von MINT und GTO ein CLTS-Expert*innen-Workshop mit Vertreter*innen verschiedener Regierungsinstitutionen und NROs in der südsudanesischen Hauptstadt Juba durchgeführt. Ziel war es, ein Handbuch mit Richtlinien für CLTS in ländlichen und städtischen Gebieten sowie für Flüchtlingsunterkünfte zu erstellen. Die Richtlinien wurden von der Regierung im Jahr 2021 landesweit vorgestellt und sollen schließlich eine langfristige und nachhaltige Orientierung in allen Regionen des Südsudan bieten.

(1) Daten: JMP 2012
(2) Progress on Household Drinking Water, Sanitation and Hygiene |200-2017, p.240

Fakten
  • 11Millionen
    Menschen leben in Südsudan
  • 42Prozent
    der Bevölkerung hat keine sanitäre Grundversorgung
  • 1000
    Kleinbauernhaushalte profitieren direkt vom CLTS-Projekt